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Leseverhalten bei Webseiten

Der wichtigste Schritt vom Website-Bauer zum Konzeptor besteht darin, zu erkennen, dass Benutzer die Seiten nicht so lesen, wie sie unter Umständen angelegt wurden.

Inhaltspfad

Blickpfad (Animation am Seitenende

Wie wir Seiten lesen

Gehen Sie ins Internet und verhalten Sie sich wie ein ganz gewöhnlicher Benutzer. Analysieren Sie die Seiten nicht mit Ihrem professionellen Blick, sondern erledigen Sie etwas, was jeder Benutzer häufig macht. Lesen Sie die aktuellen Schlagzeilen, kaufen Sie ein Buch oder versuchen Sie, die Postadresse einer Firma herauszubekommen.

Dabei achten Sie einmal darauf, wie Sie die Seiten „lesen“. Können Sie sagen, was alles darauf stand, wenn der Browser wieder geschlossen ist? Wissen Sie, welche Punkte zur Auswahl standen? Wahrscheinlich können Sie es nicht. Das liegt nicht daran, das Sie eine schlechte Site besucht haben, sondern an der Art und Weise, wie wir Seiten im Internet lesen.

Unsere Augen überfliegen die Seiten. Dabei verweilen sie an den Stellen länger, die auf den ersten Blick interessant erscheinen. Wir nehmen uns nicht die Zeit, die Seite systematisch zu studieren, sondern versuchen mit wenigen Augenbewegungen herauszufinden, wo die Dinge sind, die uns interessieren.

Mit so genannten Blickverfolgungskameras oder Blickregistriergeräten lässt sich herausfinden, wo eine Testperson tatsächlich hinsieht, und wie lange Ihr Blick auf den einzelnen Stellen ruht. Dieses Gerät besteht aus zwei kleinen Kameras, die auf einem Helm montiert sind, den die Testperson aufsetzt. Die Kameras sind auf die Pupille gerichtet und mit einem Computer verbunden, der die Augenbewegungen aufzeichnet. Er setzt diese in Bezug zu den Dingen, die auf dem Bildschirm zu sehen sind. Daher weiß man, dass unser Auge die Seiten schnell überfliegt und nur einen verschwommenen Eindruck von ihnen bekommt. Nur die Dinge von echtem Interesse werden herausgefiltert und bewusst wahrgenommen.

Wie wir Links auswählen

Aber es kommt noch schlimmer. Es ist nicht nur so, dass wir die Seiten lediglich überfliegen, sondern wir klicken auch einfach auf den erstbesten Link. Tatsache ist, dass wir uns selten die Mühe machen, alle Kategorien einer Startseite genau anzusehen und dann zu überlegen, welche von diesen wohl am ehesten das enthält, was wir suchen. Vielmehr klicken wir auf den ersten Link, der ungefähr dem enspricht was wir suchen.

Angenommen Sie möchten sich bei einer bestimmten Firma bewerben. Sie gehen also auf die Homepag, überfliegen die erste Seite, stoßen auf den Button „Jobs bei uns“ und klicken darauf. Sie landen bei einer Beschreibung der verschiedenen Berufe, die in der Firma vertreten sind, und was ihre jeweilige Aussage ist. Dass es auf der Startseite auch einen Button „Stellenangebote“ gibt, merken Sie erst, wenn Sie wieder zu ihr zurückkehren.

Wir wählen nicht den besten Link, sondern den erstbesten!

Wie wir Sites benutzen

Neben dem Überfliegen und voreiligen Klicken gibt es noch eine dritte Sache, die den Konzeptern das Leben schwer macht: Wir mogeln uns durch. Fast niemand macht sich die Mühe, die genaue Funktion von etwas zu verstehen, wenn es auch so geht. Bedienungsanleitungen werden nur gelesen, wenn etwas sonst nicht in Gang zu setzen ist. Das gleiche gilt für Websites. Ihre Hilfe-Seite mag auch noch so gut gestaltet und perfekt geschrieben sein, die meisten Benutzer werden sie niemals ansehen. Solange es geht vermeiden es die meisten Menschen, Bedienungsanleitungen, Handbücher und Hilfe-Funktionen zu benutzen.Sie erfahren daher auch oft nicht, welche Möglichkeiten sie ungenutzt lassen, da sie die Bedienung nicht beherrschen.

Viele Suchmaschinen bieten beispielsweise die Möglichkeit, die Trefferquote zu verbessern, indem man Begriffe miteinander verknüpft (z.B. liefert „Webseite AND Konzeption“ bei manchen Suchmaschienen nur die Seiten, auf denen beide Begriffe vorkommen). Dennoch gibt der Großteil der Benutzer einfach alle Suchbegriffe ein und klickt auf „Go!“. Meist finden sie auch so, was sie suchen, auch ohne zu wissen, das es auch besser geht – ein klassisches Beispiel für das Durchmogeln.

Und wer hat noch nie Absatzzeichen in ein Word-Dokument eingegeben, um Bilder zu positionieren oder den Abstand zwischen zwei Zeilen zu vergrößern? Eigentlich sind dazu Formatvorlagen gedacht, aber manchmal geht es eben schneller, wenn man sich durchmogelt. Sie müssen also damit rechnen, dass die meisten Besucher auf Ihrer Site dasselbe tun werden.

Wenn Sie nicht glauben, dass die meisten Benutzer Webseiten tatsächlich so benutzen, lesen sie das Buch „Don’t make me think“ von Steve Krug. Darin sind die Dinge sehr anschaulich beschrieben.

Wir bedienen Websites nicht, wir mogeln uns durch!

Was sollen wir also tun? Wir müssen unsere Seiten so gestalten, dass wir den Nutzungsgewohnheiten Rechnung tragen.

  • Machen Sie die Seiten für das rasche Überfliegen geeignet
    Bieten Sie nicht zu viele Informationen auf einer Seite. Berücksichtigen Sie die „Sieben plus/minus zwei“ Regel. Gliedern Sie die Seiten optisch, damit der Benutzer beim überfliegen erfasst, welche Teile zusammengehören (Absätze). Damit erleichtern Sie die Informationsaufnahme beim Überfliegen der Seiten.
  • Wählen Sie aussagekräftige Linkbeschriftungen
    Benennen Sie Links sorgfältig. Achten Sie darauf, dass die Namen aussagekräftig sind, und darauf, dass es keine Namen gibt, die einander ähnlich sind. Damit machen Sie den Klick auf den erstbesten Link gleichzeitig zum besten Link.
  • Machen Sie die Bedienungsweise offensichtlich
    Legen Sie alles so an, dass es offensichtlich ist, was damit gemeint ist bzw. wie es funktioniert. Falls das nicht geht, sollten Sie die Dinge zumindest selbsterklärend machen. Der letzte Rettungsanker ist eine Erklärung, aber rechnen Sie damit, dass die meisten Benutzer diese nicht lesen werden.
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