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Web 2.0 - Hype oder Quantensprung?

Der Versionssprung von 1.0 auf 2.0 suggeriert Umwälzendes und zeugt von erstaunlichem Selbstvertrauen. Tatsache ist, dass auf der Basis offener Webtechnologien viele hundert neuer Anwendungen, Geschäftsideen und zahllose Web 2.0-Portale entstanden sind.

Web 1.0 – Die Basisinnovation

Tim Berners-Lee zündete Anfang der 90er Jahre am Genfer CERN den Big Bang des Web 1.0, indem er beide Welten kurzschloss. Er baute den ersten Browser und entwickelte die HTML-Syntax mit dem Hyperlink-Prinzip, wobei mit Links jedes beliebige HTML-Dokument auf jedem beliebigen Server weltweit aufgerufen werden kann. Seitdem surft der User durch das »worldwide« Web. Das »Web 1.0« ist demnach ursprünglich eine Gesamtheit von Milliarden statischer Webseiten, die via Hyperlinks angesteuert werden.

 

Web 2.0 – Die Vernetzung zweiter Ordnung

Während Berners-Lee als »Gutenberg des Web« berühmt wurde und das Web 1.0 eine Basisinnovation ersten Ranges darstellt, finden wir beim Web 2.0 weder einen Urvater noch eine zentrale Innovation. Es handelt sich vielmehr um eine Vielzahl von Beiträgen und Verbesserungen.

 

Es resultiert eine Art von »Vernetzung zweiter Ordnung«, die in der User-Erfahrung mehr Dynamik und Interaktivität bedeutet. Insbesondere kann diese Basis genutzt werden, um die soziale Dimension auf neuem Niveau nutzbar zu machen.

 

Das Web wird zur Service-Plattform.

Websites bekommen Eigenschaften, die wir bisher nur vom Rechner kannten. So werden Anwendungen wie beispielsweise Organizer oder eine Textverarbeitung im Web bereitgestellt. Das Web wird zur globalen Plattform für Daten und Dienste. Der Vorteil dieser Verschiebung liegt auf der Hand. Viele Nutzer plagen sich mit dem Aufwand für die Pflege der Software (Updates, Virenschutz) und für die Synchronisierung der Daten – sie wünschen sich unkomplizierte Werkzeuge, die sie geräteunabhängig aufrufen und nutzen können – zuhause, im Büro, überall auf der Welt. Mit webbasierten Anwendungen kann dieses Bedürfnis eingelöst werden.

 

 

Das Web wird zum »Live Space«.

Daten werden automatisch aktualisiert, indem APIs (Programmierschnittstellen) genutzt werden und automatisch aktuelle Informationen auf die Websites der Nutzer holen. So können etwa Freunde auf Google Maps lokalisiert werden (Frappr)

 

Das Web wird zum Mitmach-Web.

Der User ist heute nicht mehr nur Konsument, er wird zunehmend zum Produzenten. Die bekanntesten Formen für sogenannten User-Generated Content sind Weblogs, Wikis, Sharing-Portale für Bilder und Videos. Derzeit werden 35 Millionen aktive Blogs gezählt, Flickr hat 5.000 Seitenzugriffe pro Minute, auf das populäre Video-Portal YouTube werden täglich 30.000 Videos hochgeladen, und die Wikipedia umfasst mittlerweile 3,8 Millionen Artikel in 200 Sprachen. Auf Community-Plattformen werden zunehmend auch die verschiedenen Medienformate zusammengeführt – so bilden auf dem erfolgreichen Portal MySpace.com die Blogs, Videos, Chats, Events etc. eine funktionierende Einheit. Am Beispiel des Portals Flickr wird schnell klar, was User an Web 2.0-Portalen schätzen. Es ist eine Möglichkeit, die generierten Inhalte – wie hier digitale Bilder – einfach und intuitiv zu verwalten und für andere bereitzustellen. Der Slogan »Alle machen mit« wäre überzogen, doch eine kritische Masse an aktiven »Web-Prosumenten« ist längst erreicht. Für den User wird das Web zunehmend zum Aktiv- und Kreativraum – statt passivem Medienkonsum zählt das Einbringen von Können und Wissen.

 

Das Web wird zum sozialen Über-Raum.

Viele Dienste sind als soziale Spielräume anzusehen, da es dort darum geht, sich auszudrücken, Inhalte mit anderen zu teilen, Kommentare abzugeben. Auf den zweiten Blick geht es bei den erfolgreichsten Portalen und Services ganz offensichtlich darum, lebendige Gemeinschaften zu schaffen, die sich in regem Austausch befinden. Man bewegt sich dort mühelos im Dreieck aus Selbstdarstellung, Kommunikation und Kollaboration. Das Web wird also sozialer.

 

Das Web wird intelligenter.

Das Web wird also intelligenter – und zwar durch die »Weisheit der Massen« (James Surowiecki). Dank der Effekte kollektiver Intelligenz profitieren alle Nutzer von dem millionenfachen Input von Wissen und Wertung.