16.05.2006 12:43 Alter der Meldung: 4 Jahre

7 Tipps für Führungskräfte in der Krise

Viele Führungskräfte geraten in einem bestimmten Alter in eine Sinnkrise. Trotz allem Stress und der vermeintlichen Sicherheit, alle Fäden in der Hand zu halten, gibt es Momente, in denen sich jeder Manager und Unternehmer, jede Führungskraft die Frage nach dem Sinn des Daseins stellt.

Und immer wieder glauben sie, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Doch Achtung! Oft ist es nicht das Ende des Tunnels, dazu sind Führungskräfte viel zu sehr in ihrem Leben verstrickt. Nein, es ist der Zug, der Ihnen entgegenkommt und der Sie zu überrollen droht.

 

Der Zug, in übertragenem Sinne, kann sein, dass ein Arzt feststellt, dass der 50-jährige Unternehmer kurz vor dem Herzinfarkt steht. Der Zug kann aber auch sein, dass ihm seine Frau, die er über Jahre vernachlässigt hat, mitteilt, dass sie ihn verlassen wird. Der Zug kann sein, dass eines seiner Kinder verunglückt oder krank wird. Der Zug kann ebenfalls sein, dass ein guter Freund, ebenfalls in einer Führungsposition, entlassen wird und vor den Scherben seines Lebenswerkes steht. Folgende Tipps helfen, die Sinnkrise zu meistern:

 

Fragen stellen und nicht auf alle Antworten erwarten

In Sinnkrisen stellen sich Menschen oft Fragen, die sie sich noch niemals zuvor gestellt haben: „Was tue ich eigentlich wirklich in meinem Leben? Was bewirke ich mit meinem Tun? Wofür tue ich das, was ich tue überhaupt?“ In ihrer Verzweiflung fragen sie sich auch: „Wenn ich heute sterben würde und auf mein Leben zurückblicke - was habe ich erreicht, geschaffen? Wie werden mich meine Mitarbeiter in Erinnerung halten? Wie meine Familie, wie meine Kinder?“. Die Antworten darauf gefallen nicht immer und für viele Fragen finden sich gar keine Antworten. Was der Führungskraft durch die Fragen jedoch bewusst wird, ist die Tatsache, dass sie ihr Leben bislang nicht so geführt hat, wie sie es führen wollte. Der Mensch hinter der Führungskraft fragt sich, wo seine Lebensträume geblieben sind. Er fragt sich schlichtweg, welchen Sinn sein Leben hat.

 

Eine Diagnose stellen

In einer solchen massiven Lebens- und Sinnkrise fällt es schwer, sich der Realität zu stellen – und das, obwohl man befürchtet oder im Innersten bereits weiß, dass das eigene Leben in Bruchstücke zerfallen wird. Würde man hier eine klinische Diagnose des Krankheitsbildes stellen, so müssten folgende diagnostische Richtlinien nach dem ICD 10 der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen beachtet werden: Immer wieder auftretende Angstattacken, manische und depressive Episoden die sich abwechseln, Verlust der sozialen Kompetenz, Schlafstörungen, Nervosität, Muskelzittern, erhöhter Suchtmittelkonsum, selbstschädigende Verhaltensweisen, soziale Isolation, Zwangsgedanken.

 

Unterstützung und Hilfe suchen

Auch, wenn es in diesem Moment nicht immer so aussieht: Gerade diese Führungskräfte sind äußerst wertvolle Mitarbeiter in einem Unternehmen. Das Interesse der Firma sollte es deshalb sein, diese Führungskräfte nicht zu verurteilen, sondern ihnen im Prozess beizustehen, ihre Sinnkrise zu lösen und wieder handlungsfähig zu werden. Eine Sinnkrise ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Weder von dem betroffenen Unternehmen, noch von der betroffenen Person! Es geht um Menschen, die Profis sind und es geht um Unternehmenserfolg oder Misserfolg.

 

Leidensdruck mindern

Menschen auf der Suche nach dem Sinn, leiden. Sie leiden an der vermeintlichen eigenen Unzulänglichkeit. Sie leiden an dem Unverständnis sowie dem Druck, der in einer solchen Situation auch noch von außen kommt. Zuerst muss also der Leidensdruck gemindert werden: Mit einfachen Mitteln und Maßnahmen kann oft Raum und Luft für die Führungskraft geschaffen werden. Dies können Vereinbarungen in der Firma sein, wie das Abgeben eines Aufgabengebietes, eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit etc., und konkrete Maßnahmen in der Familie im Gespräch mit dem/r PartnerIn und eventuell den Kindern.

 

Aufräumen ist angesagt

Ist der erste Leidensdruck erst einmal gemindert, können Menschen an sich arbeiten. Im intensiven Einzelcoaching werden alle Lebensbereiche Gesundheit, Freunde, Partner, Familie, Karriere, persönliche Entwicklung und Wünsche beleuchtet. Ebenso wird der spirituelle Aspekt des Sinns des Lebens reflektiert. Diese Phase des „Aufräumens“ und der Klärung ist verbunden mit tiefen Emotionen und Gefühlen. Die Führungskräfte erkennen oft schmerzhaft, dass das eigene Leben völlig in den Hintergrund getreten ist und dass sie primär für andere leben und handeln und dabei persönlich völlig auf der Strecke bleiben!

 

Das "Wunschleben" realistisch gestalten

Es macht wenig Sinn, dass die Führungskraft eine Kündigung schreibt, die Koffer packt und von zu Hause auszieht und alles hinter sich lässt. Hilfreicher ist es, die Aspekte des Lebens, die mit dem Wunschleben zusammenpassen, miteinander in Einklang zu bringen. So kann es sein, dass die Führungskraft über einen längeren Zeitraum immer wieder einen Coach als Unterstützung mit hinzuzieht, um die Realisierung des Erarbeiteten sicherzustellen. Im Regelfall kann damit gerechnet werden, dass ein halbes Jahr nach dem ersten Coaching die Talsohle durchschritten ist und die Führungskraft wieder voll handlungsfähig ist.

 

Umsetzung sichern

Wichtig ist die Unterstützung der Firma für die Führungskraft in dieser harten Zeit, ebenso wie die Bereitschaft des Einzelnen, sich der Sinnkrise bewusst zu werden und an einer Lösung zu arbeiten. Auch wenn die Leistung der Führungskraft für gewisse Zeit nur auf halber Flamme brennen wird, es lohnt sich, für Luft und Brennstoff zu sorgen. Davon wird die Firma nicht nur wirtschaftlich profitieren. Die Führungskraft wird eine nie gekannte Zugehörigkeit entwickeln, die auch auf weitere Mitarbeiter ausstrahlt. Denn sie hat erfahren, dass sie nicht nur als „Arbeitsmaschine“ wichtig ist, sondern auch als Mensch. Ebenso wird die Führungskraft als Mensch reifen, die Gesundheit wird sich stabilisieren und die Familie wird wieder zu einem harmonischen Leben beitragen können. Denn schließlich wollen Sie kein Kurzstreckenläufer sein, dem die Luft ausgeht, sondern ein Langstreckenläufer, ein Dauerbrenner.

 

Es ist schwer, alleine und ohne professionelle Hilfe aus einer solchen Krise heraus zu kommen. Für die Betroffenen ist es sinnvoll, diese nicht alleine durchzustehen, sondern sich - neben privater Unterstützung durch Gespräche mit der Familie oder im Freundeskreis - auch professionell helfen zu lassen. Doch diese Hilfe muss nicht unbedingt von Außen kommen. Nach der Ausbildung eines Mitarbeiters zum Managementcoach/ Businessconsultant kann dieser kompetent wichtigen und treuen Mitarbeitern helfen, zu neuem Elan und Schwung in ihrer Arbeit zurück zu finden.

 

Autor

Thomas H. Bastian

Akademie, Studienakademie für

Managementcoaches/Businessconsulter

und Fachtherapeuten für Psychotherapie,

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